Adoption und Pubertšt

Über die „normalen“ Reife- und Veränderungsprozesse der Pubertät hinaus, stellt diese Zeit eine ganz besondere Herausforderung für unsere Familien dar. Es gibt verschiedene Gründe dafür:

  •  Adoptiv- und Pflegekinder sind oft emotional noch nicht altersgemäß entwickelt. Daher verwirren sie die hormonellen Veränderungen besonders.
  • Gerade wenn die Kinder erst später in die Familie gekommen sind, sind die Bindungen zu den Eltern noch nicht gefestigt.
  • Das Selbstbewusstsein unserer Kinder ist oft nicht stark ausgeprägt.
  • Die Situation als Adoptiv- oder Pflegekind wird erneut und mit anderen Blickwinkeln bewusst. Es ist nicht mehr einfach nur toll, „gerettet“ worden zu sein.
  • Der Gedanke nun selbst entscheiden zu wollen und sich nicht von anderen steuern zu lassen, ist ausgeprägter als bei anderen Kindern. Irgendwann im Leben von Adoptiv- und Pflegekindern haben Erwachsene sehr einschneidend entschieden, was mit ihnen passiert. Das wollen sie nicht mehr zulassen. Alles wollen sie selbst entscheiden.
  • Viele Pflege- und Adoptivkinder (oder alle) sind verletzlicher. Daher ist das Lösen von „Pubertätskonflikten“ auf schwieriger.
  • Die Peergroup hat in der Pubertät eine immense Bedeutung. Hier wollen unsere Kinder trotz „ihres Makels“ auf jeden Fall Anerkennung finden.
  • Alte Verhaltensmuster aus der Herkunftsfamilie brechen wieder auf. Dies ist natürlich stark von der Herkunftsgeschichte abhängig.
  • Traumatisierte Kinder erleben ihre Pubertät als noch bedrohlicher. Oft wird erst in der Pubertät die Schwere der Traumatisierung und seelischen Verletzung offenbar
  • Die Suche nach der Herkunftsfamilie wird interessanter, ja oft überlebenswichtig. Was gefunden wird, ist nicht immer leicht zu tragen. Das Annähern an die leibliche Familie steht dem Ablösungsprozess in der Pubertät entgegen.
  • Die Pubertierenden brauchen verlässliche Menschen, die sie in solchen Prozessen unterstützen und oft können das gerade nicht die Adoptiv- oder Pflegeeltern sein, denn sie scheiden wegen des stattfindenden Ablösungsprozesses gerade aus.
  • Adoptiv- und Pflegefamilien können in ihrem Zusammenhalt nur auf ihre soziale Zugehörigkeit und nicht auf die biologische bauen.
  • Die Reifung unserer Kinder wird erst spät, häufig einige Zeit nach der Volljährigkeit erreicht. Das kostet alle Beteiligten viel Kraft. Eltern sollten aber einen langen Atem haben und nicht frühzeitig aufgeben, was nicht heißt, dass nicht auch manchmal eine außerfamiliäre Unterbringung nötig werden kann. Diese Trennung sollte aber räumlich sein und nicht die Eltern-Kind-Beziehung in Frage stellen. (MS)